Werden wir immer Rücksichtsloser?

von Sep 28, 2017Allgemein0 Kommentare

Ein Beitrag von Stefanie Frieser im Magazin LEA

Ein Rentner bricht im Vorraum einer Bank zusammen und die Kunden steigen einfach über ihn hinweg. Alle starren nur noch auf ihre Handys – den Blick permanent nach unten gerichtet. Kommunikation? Fehlanzeige! Selbst wenn sich zwei im Lokal gegenüber sitzen. Ist das eigentlich nur eine Frage des guten Benehmens? Oder geht es um viel mehr?

Der Knigge steht für gutes Benehmen – und noch mehr?

„Auf jeden Fall. Neben dem guten Benehmen ist der wertschätzende Umgang Grundvoraussetzung dafür, dass sich mein Gegenüber mit mir wohl fühlt. Das bedingt natürlich Interesse am anderen.“

Sind wir alle denn nun rücksichtsloser geworden?

„Wir haben das große Glück, seit 70 Jahren in einer Zeit des Friedens zu leben. Das ist zum einen schön, zum anderen wirft es einen negativen Schatten. Denn nur in Krisenzeiten halten wir zusammen und stehen einander bei. “

Spielt die Handy-Manie ebenfalls eine Rolle?

„Ja. Wenn man permanent auf das Handy schaut, dann sieht man den Menschen nicht mehr ins Gesicht. Dadurch verlernt man, die Emotionen des anderen, die sich im Gesicht spiegeln, zu erkennen. Das ist wie bei einem Muskel, der nicht mehr trainiert wird.“

Was können wir für ein gutes Miteinander tun?

„Wir sollten wieder mehr auf andere achten – und auf uns selbst. Man muss sich bewusst die Zeit nehmen, sich auf andere einzulassen und Interesse zu zeigen. Alle Menschen sehnen sich danach, wahrgenommen zu werden.“

Was können wir Kindern mit auf den Weg geben?

„Auf jeden Fall Menschenfreundlichkeit. Man kann es im einfachsten Sinne sagen: Was du dir wünschst, was dir passiert, dass gib auch anderen. Im Aktiven wie im Passiven. Wichtig ist dabei echtes Interesse am gegenüber.“